Rechnungswesen

Der Liquidationswert in Recht und Rechnungswesen

Dr. Markus Patloch-Kofler, MSc (WU) BSc (WU)

In der betriebswirtschaftlichen Bewertungslehre ist der (hypothetische) Liquidationswert als Unternehmenswert anzusetzen, wenn dieser höher als der Fortführungswert ist. Verglichen mit dem Fortführungswert wird dem Liquidationswert in der Bewertungspraxis und im Schrifttum zwar nicht der Status eines eigenständigen Bewertungsverfahrens zugesprochen. Er spielt dennoch eine tragende Rolle: Er ist der Wert des Unternehmens, welcher sich bei dessen Zerschlagung ergeben würde, und in der betriebswirtschaftlichen Literatur wird der Liquidationswert (nahezu) einhellig als Wertuntergrenze des Unternehmenswerts von ertragsschwachen und verlustbringenden Unternehmen angesehen, sofern nicht rechtliche oder faktische Zwänge die Fortführung des Unternehmens verlangen und eine Liquidation dadurch ausgeschlossen ist.1 Dem liegt die fundamentale Annahme zugrunde, dass einerseits die Fortführung des Unternehmens möglich ist und andererseits der nach Gewinnmaximierung strebende Unternehmer rational handelt. Ist der (hypothetische) Liquidationswert eines Unternehmens höher als der Ertragswert, wird sich ein rational handelnder Unternehmer im Sinne eines homo oeconomicus nach dem Gewinnmaximierungsprinzip für die Liquidation, also Zerschlagung, des Unternehmens entscheiden.

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Artikel-Nr.
RwSt 2021/2

27.04.2021
Heft 1/2021
Autor/in
Markus Patloch-Kofler

Dr. Markus Patloch-Kofler, MSc (WU) BSc (WU) ist als Universitätsassistent (post doc) an der Wirtschaftsuniversität Wien in der Abteilung Unternehmensrechnung und Revision und im Bereich Unternehmensbewertung der BDO Austria GmbH tätig.

Publikationen:
Patloch-Kofler/Roider, Impairment-Only oder Amortization? - Eine Glaubensfrage im Lichte des IASB-Discussion Paper, RWZ 2020/30 (9); Patloch-Kofler/Schmitzer, Die implizite Marktrendite in Krisenzeiten, RWZ 2020/30 (5); Bertl/Kasapovic/Patloch-Kofler, Der Liquidationswert als Bewertungsuntergrenze, RWZ 2018/28 (3).