Fachliteratur / Bücher

A Global View of Business Insolvency Systems. Von Jay Lawrence Westbrook, Charles D. Booth, Christoph G. Paulus und Harry Rajak. Martinus Nijhoff Publishers, Leiden Boston 2010. XXII, 300 Seiten, gebunden, 99 €.

Stephan Riel

Dass der Rechtsvergleichung im Bereich des Insolvenzrechts besondere Bedeutung zukommt, hat schon Josef Kohler vor über 120 Jahren betont (Kohler, Lehrbuch des Konkursrechts [1891] Vorwort; s zu diesem "juristischen Universalgenie" Paulus, Josef Kohler und die Entwicklung des internationalen Insolvenzrechts, in Grundmann/Kloepfer/Paulus/Schröder/Werle, 200 Jahre Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin [2010] 1131 ff). Wer heutzutage wissen will, wie Insolvenzrecht in anderen Ländern funktioniert (oder nicht funktioniert), wird zunächst auf der Website von UNCITRAL fündig (http://www.uncitral.org/uncitral/uncitral_texts/insolvency.html). Insb der dort veröffentlichte Legislative Guide on Insolvency Law (2004, in Buchform 2005; Ergänzung 2010 ["Part three"]) ist eine einzigartige Quelle von Informationen zu den Lösungen, die die Rechtsordnungen der Welt für die immer weitgehend gleichen Problemen gefunden haben, die die Insolvenz eines Schuldners aufwirft. Das anzuzeigende Werk international anerkannter Spezialisten, das ebenfalls die ganze Welt in den insolvenzrechtlichen Blick nimmt und mit dem Satz beginnt, "We live in a time in which insolvency laws are being rewritten all over the world for the first time in a century", ist ähnlich informationsreich wie, aber viel leichter lesbar als der zT doch etwas sperrige Legislative Guide. In eindrucksvoller Stoffbeherrschung werden traditionelle Lösungsansätze und aktuelle Entwicklungen (und Moden) für alle wesentlichen Aspekte der Bewältigung einer Unternehmensinsolvenz dargestellt. Regionale Unterschiede, wie etwa die bemerkenswert verschiedene Anerkennung von insolvenzfesten Sicherheiten in den Nachbarländern Deutschland und Frankreich (17), werden dabei ebenso deutlich gemacht wie weltweite Standards und Trends. Besonderes Augenmerk wird Sanierungsmöglichkeiten (121 ff) und grenzüberschreitenden Fragestellungen (227 ff) gewidmet, und sogar unser österr Insolvenzrecht wird erwähnt (etwa als Beispiel für den Trend zum sog klassenlosen Konkurs [86] oder im Zusammenhang mit der Insolvenzverwalterliste [219 FN 40]). Insgesamt ist das Buch, das bei der Weltbank auch in einer günstigeren Paperback-Ausgabe erhältlich ist (http://publications.worldbank.org), eine unbedingt empfehlenswerte und äußerst interessante Lektüre.

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Artikel-Nr.
ZIK 2012/186

30.08.2012
Heft 4/2012
Autor/in
Stephan Riel

Dr. Stephan Riel, Rechtsanwalt in Wien mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Insolvenz- und Sanierungsrecht, Partner in der Kanzlei Riel & Partner (www.riel.at), Insolvenzverwalter in Wien und Niederösterreich, Mitglied der im BMJ tagenden Insolvenzrechtsreformkommission, Mitherausgeber der ZIK.

Publikationen:
Zahlreiche Publikationen zum Insolvenzrecht (ua Kommentierung der §§ 80-101 KO, 114-123 KO und 140-151 KO in Konecny/Schubert, Kommentar zu den Insolvenzgesetzen [1997 bis 2008]; zuletzt: Haftung des Insolvenzverwalters für Fehler bei der Forderungsprüfung, ecolex 2018, 632).